Titel

Früher wurden die Harzer Gebirgsbäche  oft zu reißenden Flüssen, die Hab und Gut der Menschen vernichteten und oftmals sogar Leben auslöschten.

Zu jener Zeit gab es auch einen Gipsmüller, der seine Mühle an der Zorge, zwischen dem Dorf Zorge und Krimderode, hatte. Dem Müller und seiner Familie fehlte es an nichts, denn Gips war ein gefragter und somit gutbezahlter Baustoff. Aber der Müller lebte in der nicht unbegründeten Angst eines Tages bei Hochwasser alles zu verlieren.

Einmal, als die Zorge anzuschwellen begann, rannte der Müller zu Gott flehend auf den nahegelegenen Liethberg. Von dort konnte man große Teile des Zorgetals übersehen. Oben angekommen kniete der Müller zum Gebet nieder. Dann begab er sich wieder zu seiner Mühle und siehe da, es kam zwar Hochwasser, welches aber keinen Schaden bei ihm anrichtete. Da dachte sich der Müller laut: „Wenn Hochwasser ansteht, werde ich in Zukunft laut flehend auf den Berg steigen – es scheint ja zu helfen“. Illustration zur Sage von Lisa Berg
Und so machte es der Müller Jahr für Jahr, sein Leben lang. Sobald die Zorge mehr Wasser zu führen begann, rannte der Müller flehend los. Alle im Dorf nannten ihn daher bald den „Flehmüller“. Aber es soll geholfen haben sein, sein Flehen und Beten, denn das Hochwasser fügte seiner Mühle und seiner Familie nie einen Schaden zu. Als Dank pflanzte der Müller auf dem Liethberg eine Eiche, die heute über 600 Jahre alt ist und „Flehmüllers Eiche“ genannt wird.
aufgeschrieben von Bernd Sternal
gezeichnet von Lisa Berg