Es war zu jener
Zeit, als die Grafen von Roßla im Kyffhäusergebirge
regierten. Einem Hirten, der dort seine Schweine hütete, kam
eine Sau abhanden. Der Hirte suchte das vermisste Tier überall,
konnte es aber einfach nicht finden. Aber er gab nicht auf, denn
sein Herr würde ihn zur Rechenschaft ziehen, wenn ihm der
Verlust bekannt würde. Nach drei Tagen endlich, sah er die
vermisste Sau aus einem Bergloch kommen. Vorher war die Sau
mager. Jetzt stand sie wohlgemästet, dick und fett, vor ihm.
Der Hirte war ein alter Schwätzer, jedem
erzählte er diese Geschichte, ob er sie hören wollte oder auch
nicht. So kam sie auch dem Grafen von Roßla zu Ohren, der sich
täglich von einem Adjutanten das Neuste berichten lies. Und da
der Graf sehr vielseitig interessiert war, wollte er unbedingt
wissen, was jenes Bergloch für Geheimnisse verbarg.
Im gräflichen Turm saß damals ein
Gefangener, der zum Tode verurteilt war. Der Graf versprach
jenem Leben und Freiheit, wenn er in das Bergloch steigen würde
und ihm dann wahrheitsgemäß
berichtet. Der Verurteilte erklärte sich bereit, denn was
blieb ihm auch weiter übrig. So kroch er in das Bergloch, aus
dem die Sau des Hirten gekommen war.
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Nachdem er viele Fuß in der stockdunkeln, engen Höhle
vorangekrochen war, öffnete
sich
diese zu einem weiten
Saal. Und mitten in
diesem Saal saß
Kaiser Friedrich Barbarossa auf seinem Thron. Der sah ihn
starr an, reichte ihm die Hand, in der ein goldener Ring lag und
sprach: „Hier ist ein Ring für deinen Grafen! Sage ihm, er soll
nie wieder jemanden schicken. Denn hier ist meine Residenz und
niemand hat hier etwas zu suchen.“ Daraufhin wurde es um den
Gefangenen stockdunkel.
Mit Müh und Not fand er den Ausgang wieder und gelangte
zurück an Tageslicht. Dort berichtete er dem Grafen seine
Erlebnisse und überreichte ihm
auch den goldenen Ring von Barbarossa. Der Graf nahm ihn
mit Verwunderung und wies an, dass niemand jemals wieder die
Ruhe von Kaiser Friedrich stören dürfe. Auch hielt er sein
Versprechen gegenüber dem Verurteilten, der nun wieder frei war.
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